Interessensgemeinschaft
Österreichischer Dokumentarfilm

 
 

Kinostarts

Über die Jahre

2015 / Nikolaus Geyrhalter

Wenn man sieht, wie hier Stoffwindeln von Hand in Zellophanpapier verpackt werden, dann ahnt man, dass es bald vorbei sein wird. Ausgehend vom Niedergang einer Textilfabrik im österreichischen Waldviertel, die zunächst noch als altertümliche Produktionsstätte im Betrieb gezeigt wird, stellt dieser Film die Frage nach der Bedeutung von Arbeit für das Selbstverständnis und die Persönlichkeit der Menschen. Nach Konkurs und Schließung der Fabrik begleitet der Filmemacher einige der Arbeiterinnen und Arbeiter auf ihrem weiteren Weg, befragt sie zu ihrem Tagesablauf, ihren Lebensumständen, der Arbeitssuche oder den neuen Jobs. Eine Frau zieht in prekären Bedingungen, aber ganz selbstverständlich ihre Enkel groß. Eine andere arbeitet flexibel und patent hier und dort. Einer der Männer lebt als Arbeitsloser sichtbar auf. Nach und nach kommen auch Aspekte des Privatlebens und Schicksalsschläge zur Sprache. Was als Dokumentation eines aussterbenden Industriezweigs begann, entwickelt sich so über zehn Jahre hinweg zu einer epischen dokumentarischen Erzählung über Arbeit und Leben im postindustriellen Zeitalter. Es ist ein großer, ein ergreifender, den Menschen zugewandter Film. (Berlinale Katalog)

Aus einem nahen Land

2015 / Manfred Neuwirth

Gleich das erste Bild, die erste Einstellung, gibt Rätsel auf. Ein paar Schafe drängen sich im Schatten eines Baumes, der in gleißender Sonne auf einem Hügel steht. Lautes Blöken überdeckt das Geräusch der sanften Brise, in der sich die Äste wiegen. Wo mag dieses Land wohl liegen? So engmaschig Manfred Neuwirth seine Filme in formaler Hinsicht konzipiert, so groß ist die Freiheit, die man später beim Betrachten, dem Schauen, Hören und Assoziieren, genießt. Was die äußere Struktur betrifft, setzt Aus einem nahen Land die Reihe seiner „experimentellen Dokumentarfilme“ fort: Jede der Einstellungen, 24 an der Zahl, hat eine Länge von drei Minuten und ist durch Schwarzfilm von der nächsten abgesetzt. Das Bild läuft ums Zweieinhalbfache verlangsamt ab, der Ton, am selben Ort und zur gleichen Zeit aufgenommen, streift das Gezeigte, ohne es zu verdoppeln, und erweitert es um Geschehen im Off. Innerhalb dieses Rahmens jedoch kommen die Dinge so richtig in Bewegung. Erstmals macht hier auch die Kamera mobil, fährt, knapp über dem Boden, langsam nach links, dann wieder zurück an den Ausgangspunkt. Obwohl man sich dieses gleichförmigen Dahinfließens zunächst einmal kaum bewusst wird, ist der Effekt verblüffend: Mit der Verschiebung unseres Blickpunkts verändert sich auch die Räumlichkeit der Bilder, sie wirken plastisch wie in 3D.

Naked Opera

2013 / Angela Christlieb

Naked Opera erzählt die Geschichte von Marc, einem Mann mit vielen Facetten und Talenten, brillant und wohlhabend, eine Art Luxemburger Don Giovanni. Doch, mit 36, ist Marcs Leben überschattet von den Wunden seiner Kindheit und geprägt von einer zerstörerischen Krankheit. Jedes Wochenende entflieht er der Routine seines Arbeitsplatzes, um das Leben mit Kultur, großen Gefühlen, luxuriösen Hotels und seinen jungen Begleitern zu zelebrieren! Dabei bereist er die Welt, um Mozarts Oper „Don Giovanni“ zu sehen, in der er jedes Mal die perfekte Inszenierung eines Lebens ohne Kompromisse wiederfindet: intensiv und tiefgründig, voller Liebe und Leidenschaft.

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