Aus nächster Nähe dokumentiert Harald Friedl in seiner Langzeitbeobachtung WAHLKAMPF ein junges, ambitioniertes Team rund um den SPÖ-Spitzenkandidaten Andreas Babler während der letzten Nationalratswahlen. Weit entfernt davon, das Porträt eines Einzelkämpfers zu sein, macht die subtil beobachtete Chronologie der Ereignisse deutlich, wie sehr die Kandidatur des sozialdemokratischen Hoffnungsträgers Babler auf eine Gegenwart trifft, die von medialem Gegenwind, parteipolitischen Zerwürfnissen und globalem Rechtsruck geprägt ist.
Im Direct-Cinema-Stil blickt der Film hinter die Kulissen dieser politischen Auseinandersetzung und zeigt wie ein engagiertes Wahlkampf-Team in bewundernswerter Kleinst- und Zusammenarbeit den Stress des konfliktreichen Alltags zu meistern versucht. Im Bewusstsein der traditionsreichen Parteigeschichte (unter den Augen der Porträts von Viktor Adler und Bruno Kreisky in der SPÖ-Zentrale) werden neue Strategien für die Gegenwart entworfen und Versuche unternommen, basisdemokratische Energien und Grassroots-Aktivitäten in den streng getakteten Alltag des Partei-Apparats aufzunehmen.
WAHLKAMPF ist ein Film in Bewegung und manövriert sich durch eine Vielzahl von politischen Räumen: Wahlkampfbühnen, TV-Studios, Besprechungsräumen. Es werden politische Events entworfen, Interview-Wordings besprochen, aber auch die Idee einer Sommertour des Spitzenkandidaten im Wohnmobil geboren. Darauf bedacht, „anders aufzutreten“, geht Babler in ebendiesem in bewundernswerter Offenheit auf die Reise, in abgelegenste Regionen des Landes, „unterwegs für ein besseres Österreich“. Das Wohnmobil im Hintergrund, ORF-Mikrofone im Vordergrund: Dazwischen das „Projekt Babler“ im Aushandeln einer Erzählung von Bodenständigkeit.
Nach und nach eröffnet sich durch die genaue Beobachtung des Films jedoch die Ernsthaftigkeit, die diesen Gesten und Inszenierungen von Zugänglichkeit und Arbeiterbiografie innewohnt. Im Abseits der großen Bühne, wo die Vor- und Nachbesprechungen stattfinden, wo Unsicherheiten abgetastet, Hindernisse bemessen und mögliche Fehler reflektiert werden, steht der Kampf gegen die extreme Rechte im Fokus. Am schönsten wird dies sichtbar in einer für WAHLKAMPF beispielhaften Beobachtung: Am nächtlichen ORF-Parkplatz, unmittelbar nach seinem TV-Duell mit FPÖ-Spitzenkandidat Herbert Kickl, und sichtlich aufgebracht über den „Staatsgefährder“, bespricht sich Babler mit seinem Presseteam und bewegt sich zwischen der Nachbesprechung der medialen Performance und den bereits wieder anstehenden Terminen des nächsten Tages hin und her. So wird nicht bloß die Atmosphäre zwischen zwei grundverschiedenen Spitzenkandidaten am Ende eines langen Wahlkampfs beschrieben, sondern auch das Aufeinandertreffen von Bablers Haltung mit einer Gegenwart, die dieser angesichts des Erstarkens der extremen Rechten konträr entgegenzustehen scheint.
WAHLKAMPF hält in beeindruckender Weise einen ganz spezifischen historischen Moment österreichischer Politik fest – aber darüber hinaus schreibt sich in diese Film-Bilder aus dem Abseits des medialen Mainstreams eine klare Haltung ein: der Wunsch nach Transparenz und demokratischer Teilhabe. Auf diese Weise wird WAHLKAMPF zur Erzählung einer politischen Arena, in der die Ideen zur Zukunft mit der Realität der Gegenwart ringen, und ermöglicht es, beide aus dem Heute heraus zu befragen.
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Regie
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Buch
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KameraMaximilian Smoliner
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Schnitt
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TonAndreas Hamza, Cristian Iorga
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Sound DesignTong Zhang-Colussi
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MusikGerald Schuller, Sigi Meier
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Produzent
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Dramaturgische Beratung
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ProduktionsleitungRebecca Hirneise
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HerstellungsleitungMonika Lendl
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Produktionsfirma
