Too soon for sorry

A, D / 2001 / Dokumentarfilm / Video / 77 min

 

HipHop wird seit nunmehr bald zwanzig Jahren mit großem Erfolg als authentische Ausdrucksform des Lebens im "Ghetto" vermarktet. Der Dokumentarfilm Too soon for sorry zeigt den Widerspruch zwischen der Idealisierung junger Schwarzer und Latinos durch die Unterhaltungsindustrie und ihrer Lebensrealität im US-amerikanischen Gefängnissystem. Das US-Gefängnissystem hat sich innerhalb der letzten fünfzehn Jahre verdreifacht - ein nie dagewesener Zuwachs in einer demokratischen Gesellschaft. Mit fast zwei Millionen Gefangenen haben die USA inzwischen die Häftlingsquoten Rußlands, Chinas und Südafrikas überholt. 85 Prozent der Insassen der New Yorker Staatsgefängnisse sind Afro-Amerikaner/innen und Latinos bzw. Latinas, 80 Prozent der Häftlinge kommen aus den fünf ärmsten Bezirken New York Citys. Medien- und Zuschauerinteressen entgegengesetzt, zeigen Statistiken mit dem konstanten Rückgang der Kriminalitätsraten seit den siebziger Jahren einen Trend, der noch vor dem Einsetzen des Gefängnisbooms in den frühen achtziger Jahren begonnen hat und bis heute anhält. Im gleichen Zeitraum stieg die mediale Berichterstattung über Verbrechen und Gewalt: Real Crime-Serien verbreiteten sich Ende der achtziger Jahre im Hauptabendprogramm, im Jahr 1997 beschäftigten sich bereits vierzig Prozent aller Fernsehnachrichtem mit Kriminalität.

Das Motiv des "Ghettos" und seiner Bewohner als spannendes, vermeintlich authentisches mediales Erlebnis zeigt Erfolg: Eine Mischung aus Faszination, Angst und Begehren des "Anderen" und "Fremden" garantiert Einschaltquoten. Gemeinsam mit einer von Reprivatisierung bestimmten Wirtschafts- und Sozialpolitik konstruieren derart konnotierte mediale Repräsentationen einen um Rasse, Klasse und Geschlecht rotierenden Kreislauf, der eine ganze Generation von Afro-Amerikanern und Latinos ins Abseits drängt. (Diagonale-Katalog 2001)